Wird so das Fernsehen von morgen?

Ich denke aus meinen eigenen Hör- und Sehgewohnheiten, dass sich dieser Trend nicht nur auf das Fernsehen, sondern auch auf das Radio und alles Massenmedienartige auswirken wird, sondern bereits heute auswirkt. Besonders für Generationen, wie meine, die keine Welt ohne Computer oder das Internet kennt.

Schon heute höre ich fast kein live-Radio mehr, sondern viele Stunden in der Woche abonnierte Podcasts. Diese landen, ohne das ich mich weiter kümmern muss, in einer Playlist auf dem iPhone und dem iPad. Das gleiche auch mit Videopodcasts. Bis zum letzten iOS-Upgrade sogar in einem gleichen Topf. Damit ist es mir völlig egal ob das Kind nun Fernsehen, Radio, TV-Sender oder sonst wie heißt.
Das funktioniert im besten Fall mit 2 Tipsern auf den Screen und läuft wann & wo ich es hören will: Im Auto, im Bus, in der Bibliothek oder sonstwo. Genau das machen heute schon viele so und nach meiner Auffassung in Zukunft wohl alle. Das Gerät ist egal, der Verbreitungsweg auch und, wie du schon schreibst: Nur der Inhalt zählt. Er muss interessant, informativ, unterhaltend sein oder einfach gefallen. Wie bei Facebook.

Wenn genau das alles irgendwann in der sehr nahen Zukunft mit ganz normalen Fernsehern, dem Radio in der Küche oder dem Auto ganz selbstverständlich funktioniert, weil das Internet über Streams überall synchron sowohl live als auch On-Demand Beiträge ermöglicht, spielen Sender wie wir sie heute kennen, keine zwingende Rolle mehr.
Wer sie aber für seine eigene Realität braucht kann über die “RTL-Playlist” sie trotzdem behalten 😉

Auf der anderen Seite wird es wohl auch immer einfacher, selbstverständlicher und günstiger, selbst Audio oder Videobeiträge zusammen zu schrauben. Man schaue sich wieder nur die ganzen tollen, innovativen Podcasts aus der Metaebene & Co an. Die wachsen wie Pilze aus vielen Teilen Deutschland und der Welt aus dem Nichts.

Wenn genau diese Inhalte ohne großen Aufwand neben Hollywoodblockbustern oder dem Tatort landen und es für meine Eltern genau die gleiche Handbewegung am Morgen in der Küche oder am Abend auf Couch bedeutet, sich irgendwas anzuhören oder anzusehen, und sie sich nicht mehr zwischen live und aufgezeichneten Zeug entscheiden brauchen, aber können, dann gibt es im Zweifel keine Sender, wie wir sie heute kennen, mehr. Nur der Inhalt zählt.

Die Inhalte gibt es im Labor des Internets bereits zu fast jedem erdenklichen Thema. Sie stehen eben für die Meisten leider bisher nur über Umwege zur Verfügung.

Was fehlt dazu heute noch?
Die Infrastruktur: Internetnetze müssten wirklich flächendeckend per Glasfaserkabel und mobilfunkartige Technik auf einem möglichst hohen Stand sein, damit unnötiges herunterladen entfällt und die Inhalte überall verfügbar sind. Der Zugang zum Internet muss noch viel mehr so selbstverständlich werden, wie es das Telefonnetz heute schon ist. Kurzum: Es darf keine Abbrüche im ICE geben und auch kein DSL3000 in meiner Heimatstadt.

Fehlt die Hardware in den Haushalten? Nein, denn die Hardware hat jedes 60€ Smartphone heute schon, moderne besitzen Fernseher immer einen LAN-Anschluss und WLAN-Radios haben soetwas auch. Die Kosten verändern sich also nicht.

Problem bei den Geräten sind eher die merkwürdigen Standards und die miese Softwarepolitik der Hersteller. Der im Janur Samsung SmartTV meiner Eltern für 1500€ ist kompliziert, bevormundet und bekommt keine Updates, wie HbbTV und mit den Möglichkeiten des Internet hat das alles, so ehrlich bin ich, einfach nichts zutun. Bei den WLAN-Radios ist das auch so, weil jeder Hersteller etwas anderes macht. Es wird also ähnlich ablaufen, wie mit den Plänen der Mobilfunk-, Kino- und Musikbranche, die bekanntlich schon lange mächtig gescheitert sind.

Der Schritt dazu ist viel mehr der, dass irgendjemand mal genau da anfängt und im Grunde das wirklich freie Internet sinnvoll, einfach zu bedienen aber nicht bevormundend in Fernseher und Radios einbaut. Auf meinem iPhone geht das schließlich heute schon.

Ich hoffe ihr wisst so ungefair was ich meine, denn mehr ausholen kann ich heute nicht mehr, da ich morgen wieder besonders früh zu E-Technik in die Uni muss. 😉

Gruß aus Peitz, Matthias