Kleine Zeitungsrunde adé

Nun ist es soweit, denn heute trage ich meine Zeitungen nach etwa 5 Jahren wohl tatsächlich zum letzten Mal aus. Oft habe ich im Winter bei der Kälte der letzten beiden Winter wegen der Glätte geschimpft, weil ich doch mein Fahrrad mit meinem dazu passenden Fahrradanhänger, den ich kurz bevor ich angefangen habe mit dem Unfug der Werbeblätteraustragerei, für 10€ ergattert habe, nicht benutzen konnte. Dann musste ich laufen und brauchte bei Eiseskälte etwa eine Stunde länger als die sonst üblichen 2 Stunden, die ich immer meine Zeitungen austrage. Bevor es losgehen konnte, heißt es beim Zeitungaustragen übrigens bei mir immer ersteinmal alle Beilagen zusammenpacken, falten und in meine 3 großen Klappkisten werfen – schon jetzt in der Mitte falten, weil am Ende mehr in den Fahrradhänger geht und man die Zeitung nur noch in die Briefkästen packen muss. Das dauerte bei mir ja nach Anzahl der Beilagen mit meinen 260 Zeitungen immer so etwa eine Stunde

Damit aber nicht genug der Vorbereitung, denn was beim Zeitungenverteilen wichtig ist, ist die passende Musik, Podcasts oder auch hier und dort mal ein Hörbuch. Musik gab es verschiedene, meist nur noch unter Creative Commons-Lizenz. Die kann ich jetzt nicht so einfach aufzählen oder anspielen, weil es so viele sind. Viele tolle Sachen waren dabei aber auch Trash. Die Podcasts sollten aber schon erwähnt werden, denn so viele gibt es da nicht. Normalerweise höre ich beim Austragen der Zeitungen nämlich immer zurerst die Fritzinfos zu aktuellen Filmen, aktuellen Platten und neuen Büchern. Darauf folgt gewöhnlich immer das Medienmagazin und Trackback. Seltener, weil für die Zeitungsrunde eigentlich zu lange und wohl eher so lustig, dass man mich für verrückt halten könnte, gab es NSFW-Podcasts, auch mal Raumzeit oder MobileMacs. An Hörbuchern sei hier der Klassiker „Die 13 1/2 Leben den Käpt´n Blaubär oder die Harry Potter Reihe genannt, weil sie von Rufus Beck wirklich gut gelesen sind.

Einen kleinen Verdienst, der mir Dieses und Jenes ermöglichte gab es auch aber der war mir im Grunde nur am Anfang wichtig, weil ich recht sparsam bin. Ich habe aber gelernt, wie es ist, sich vom selbstverdienten Geld etwas zu kaufen. Es gibt da aber eine Sache, die man meiner Meinung nach wohl nur bei einer längeren Zeitungsrunde wirklich gut machen kann und wozu es sich auch wirklich lohnt: Man kann über viele Dinge wirklich prima nachdenken, denn man ist für sich allein und bewegt sich dabei an der frischen Luft auch noch, was wohl für die Sauerstoffzufuhr gut sein soll. Etwas Mitleid habe ich immer mit den Zwingerhunden auf meiner Runde, weil mit dehnen wohl nur wenige mal Gassi gehen, da sie mich zumindest immer etwas traurig anschauen. Nur wenige bellen laut. Außerdem ist man in der Natur, wo ich zum Beispiel immer vom Frühjahr bis zum Herbst Familie Gans mit ihren Jungen, die jetzt mitterweile schon fast erwachsen zu sein scheinen, treffe.

Das letzte Mal die Zeitungsrunde durch meine Straße, in der ich im Sommer wirklich oft einfach mit den Nachbarn geplaudert habe. Manchmal gab es, wenn ich erst am Sonntag Abend die Zeitungen verteilt habe, auch mal eine Bratwurt ;). Bemerkenswert ist an dieser Stelle wohl auch, dass ich eigentlich nie im Regen austragen musste, sondern dank den vielen, netten Nachbarn in der Straße immer zwischen Samstag und Sonntag wählen konnte.

Die letzte Zeitungsrunde – Der Abschied ohne Abschied beginnt.

Nur damit sich niemand wundert: Ich habe das letzte Stück der Straße, die hinter dem Wald rechts weitergeht, einfach auf dem Feld eingefügt

Familie Gohlke wird sie wohl ab nächste Woche einfach weiterführen, als wäre es nie anders gewesen – sei es ihnen einfach gegönnt.

Abschied ohne Abschied? Eine Geschichte mit einer Menge Trauer hier? Was für ein Schwachsinn, denn eigentlich beginnt jetzt bald einfach etwas Neues, denn es geht nach dem bestandenen Abitur im Juni direkt einfach nur weiter zum Studium nach Mannheim oder Cottbus Deswegen ist es konsequent damit aufzuhören, ja etwas Neues zu wagen. Es geht doch schließlich hinaus in die Welt, wohl eine für mich neue Welt. Eine Zeitungsrunde ist eben auch nichts für die Ewigkeit, wie alles auf der Erde. Vielleicht also quasi etwas, was ich wieder tun könnte, wenn ich mal Rentner bin und nicht mehr so viel auf die große Welt Lust habe.

In diesem Sinne mein Tipp an dich: Wenn du mal kontinuierlich Zeit zum Denken brauchst, dabei noch ein paar Euro verdienen möchtest und deine Freiheit am Wochenende nicht zu sehr einengen möchtest, dann versuch einfach Zeitungen auszutragen. Es ist wohl letztlich etwas wie der Jacobsweg, den man da beschreitet, ohne es vorher zu wissen.

Das ist meine kleine Zeitungsgeschichte. Sogar selbst erlebt. Hast du auch so eine? Dann schreib mir sie, denn ich freue mich darüber und möchte sie hier etwas sammeln.