Wackere Kämpfer gegen die Discounterriesen

Im heutigen Montagsbericht veröffentliche ich euch einen Artikel über den Cottbusser Wochenmarkt, der wohl auch in der Lausitzer Rundschau gestanden hat. Viel Spaß beim Lesen 😉

Sie sind die wackeren Kämpfer gegen die großen Discounterketten und finden jeden Mittwoch und Freitag auf dem Cottbusser Stadthallenvorplatz zusammen. Kleinbauern, Landschlachtereien und fliegende Händler. Sie kommen, so Marktmeister Sven Markusch „aus der Region, aber auch aus dem Spreewald, Sachsen, Zossen und sogar aus Polen“, um selbstproduzierte Waren anzubieten. Das Konzept des Wochenmarktes geht auf. Kunden sind vorwiegend Ältere.

„Bei uns gibt es die frischesten Waren direkt vom Erzeuger“ sagt der Marktmeister auf dem Stadthallenvorplatz. Gleichzeitig sind letzte Händler noch kräftig am kreiseln. Nur so werden pünktlich 8 Uhr die Stände stehen. „Dann kommen erste Kunden“, sagt er stolz.
Markusch ist seit anderthalb Jahren Marktmeister in Cottbus und betreut neben dem Markt am Stadthallenvorplatz auch die sechs weiteren Wochenmärkte der Stadt.

Die Produktpalette an der Stadthalle ist breitgefächert. Es gibt: Obst-, Fleisch-, Fisch- und Backwaren, dazu Schuhe und Pflanzen. Kunden der Markttreibenden sind vermehrt ältere Menschen, denen die großen Einkaufstempel zu groß und nicht persönlich genug erscheinen.

Wie das Rentner-Ehepaar Liebelt. Sie kaufen jede Woche Dinge des Alltags auf dem Wochenmarkt ein. „Ein paar Blumen für den Garten, etwas frisches Gemüse aus unserer Region und eine Kleinigkeit für unsere Enkel gibt es“ sagt Werner Liebelt. Seine Frau erzählt: „ Mir gefällt die Vielfalt und der gepflegte Kontakt zu den Händlern, denn das schafft Vertrauen.“

Landwirt Andreas Kauser aus Großkoschen sieht den Kontakt zu seinen Kunden als wohl größten Vorteil. Er bietet auf dem Markt neben eigenen Bohnen, Tomaten und Gurken, am Wochenende auch Astern an. Er erklärt: „Ich stehe, wie fast alle Händler, jede Woche hier. Ab halb sieben wird aufgebaut, weil es sonst schwierig wird, auf den zugewiesenen Platz zu gelangen.“ Sein Geheimnis für den Erfolg ist wohl eindeutig, dass Herzblut in seinen Waren steckt, er auf Frische setzt. Zu schaffen mache jedoch auch Kauser der Preisdruck, der ihm entgegenwehe. „Mit den viel günstigeren Importwaren aus dem Großhandel, welche die Konkurrenten anbieten, kann ich preislich nicht mithalten“ sagt er. „Noch lohnt sich für mich jedoch das Geschäft, weil ich viele Stammkunden habe.“

Doch zu knallharter Marktwirtschaft, die den Preis bestimmt, kommt für die Händler die Standgebühr. Sie kostet in Cottbus 2,04 Euro pro Quadratmeter und Markttag und wird an die Stadt entrichtet. Etwa 25€ kostet ein kleiner Stand dadurch. Das ist nicht ganz billig. Im Vergleich zu größeren Städten, wie Leipzig mit 30 Euro und Frankfurt Oder mit 19 Euro liegt Cottbus in Ostdeutschland jedoch im oberen Mittelfeld. Aufgrund der guten Lage ist das gerechtfertigt.

Für die Stadt Cottbus ist der Wochenmarkt die wohl billigste aber gleichzeitig auch lohnendste Veranstaltung. Lädt der Wochenmarkt doch auch Touristen zum Bummel durch die Stadt ein, erhöht die Umsätze benachbarter Läden und belebt die Innenstadt. Das hat auch die Stadt erkannt, denn druckfrisch gibt es in Kooperation mit der RUNDSCHAU einen praktischen Einkaufsführer mit Einkaufskarte zum herausnehmen. Darin sind weit vorn auch die Wochenmärkte der Stadt aufgelistet.
Die Zukunft des Wochenmarktes liegt bei den jungen Familien. Sie schauen bevorzugt am Samstag auf dem Markt am Oberkirchplatz vorbei, um regionale Waren aus kontrollierter Landwirtschaft zu kaufen. Feher Béla ist ein ungarischer Obsthändler, der vor 20 Jahren mit seiner Familie nach Cottbus kam. Er sagt: „langfristig müssen jedoch noch mehr jüngere Kunden kommen, die sich Gedanken um eine gesunde und ökonomisch sinnvolle Ernährung machen.“ Nur so, sagt er, werde der Wochenmarkt langfristig Bestand haben.