Facharbeit zum Thema Erich Kästner und das fliegende Klassenzimmer

1. Wer war Erich Kästner?

 

Formal gesehen muss man sagen, Erich Kästner[1] ist am 23. Februar 1899 in Dresden geboren und am 29.Juli in München 1974 gestorben. Aber natürlich ist in seinem Leben noch vieles mehr passiert.

Im Jahr 1917 ist er zum Militärdienst einberufen worden und muss dort viele schreckliche Dinge erlebt haben, denn als er wieder heim kam hatte er eine Herzschwäche, die ihn sein gesamtes Leben erhalten blieb. Außerdem war er ab jetzt, vor allem aufgrund der brutalen Erfahrungen die er machen musste, strickt gegen den Krieg und mit all seinen Waffen. In dieser Zeit lebte er mit seinen Eltern in, wie in dieser Zeit üblich in sehr ärmlichen Verhältnissen. Aber immerhin konnte er, weil seine Mutter alles Geld was sie hatte in Kästners Bildung steckte auf ein Gymnasium gehen und dort das Kriegsabitur mit Bravour bestehen.

Im Jahre 1919, dem ersten Jahr der Weimarer Republik, führte ihn sein Weg, nach dem Ende seiner Schulzeit aus seiner Heimatstadt Dresden nach Leipzig, um dort Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft zu studieren. Dieser Abschnitt seines Lebens ist auf jeden Fall zu benennen, da er in genau dieser Zeit auch anfing in Nebenarbeit als „Reporter bzw. Theaterkritiker“[2] viele Artikel und Gedichte für den Feuilleton der Neuen Leipziger Zeitung zu schreiben, um sich so sein Studium zu finanzieren. Die erste offizielle Anstellung bekam er dort übrigens im Jahre 1922, wo er letztlich aufgrund seiner zunehmend kritischen Haltung 1927 gegenüber der Politik als auch der Gesellschaft offiziell gekündigt wurde aber im Hintergrund dennoch noch zahlreiche Beiträge schrieb.

Der gerade 28 Jahre alte Erich Kästner zog nun nach Berlin um, da er dort für zahlreiche andere Zeitungen tätig sein und seinen ersten Gedichtband sowie zahlreiche Romane, wie beispielsweise „Das verhexte Telefon“, „Pünktchen und Anton“ oder „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“ veröffentlichen wollte.

Die Zeit der Weimarer Republik war im Allgemeinen durch zahlreiche Neuheiten im Leben der Menschen, die damals lebten und in dieser Zeit aufwuchsen geprägt. So hatten jetzt, wie niemals zuvor in der deutschen Geschichte, die Frauen eine viel größere Rolle der Mitbestimmung in der Familie und es gab zum ersten Mal eine gewisse Freizeit, in der sich die Menschen beschäftigen konnten. Gerade deswegen war die Zeit der Weimarer Republik letztlich so auch die große Zeit der Zeitungen und Bücher, denn außer dem Film gab es noch keine bewegten Bild und den Fernseher gab es schließlich ja noch nicht. Zudem hatte in dieser Zeit auch das damals so ziemlich revolutionäre neue Medium des Radios seine Geburtsstunde in der Ecke der Massenmedien. Zusätzlich setzte der Staat viele Mittel für den Bereich der Bildung ein, um künftige Generationen fit für die Zukunft zu machen. Zum ersten Mal in der deutschen Geschichte konnten so auch ärmere Familien ihre Kinder in eine Schule schicken und ihnen so eine nie dagewesene Perspektive ermöglichen. Diese großen neuen und bisher nie da gewesenen Möglichkeiten dürften mit Sicherheit ein Grund dafür gewesen sein, dass es in der Weimarer Republik eine riesige Fülle an Büchern gab. Bücher wurden damals nämlich wirklich von jedermann gelesen, egal ob arm oder reich. Ein gutes, spannendes Buch war auch damals, wie heute folglich schon mehr wert als viele andere Dinge. Aber gerade diese Freiheit der Menschen brachte eben auch viele einfach dazu, sich vom politischen Geschehen abzuschotten, ja sogar komplett die negativen Seiten der Gesellschaft zu übersehen. Gerade deswegen war auch die Kritik an der Gesellschaft nicht nur ein Dauerbrenner, sondern sorgte auch immer wieder für viel Aufregung in der Bevölkerung. Nun aber zurück zur eigentlichen Sache, den hauptsächlich soll es ja schließlich um Erich Kästner gehen. Besonders bekannt wurde er damals nämlich unteranderem durch die Veröffentlichung des Romans „Emil und die Detektive“.

Im Jahr 1933 veröffentlichte er, kurz bevor ihm durch die Nazis „Publikationsverbot in Deutschland“[3] erteilt wurde und er selbst zusehen musste, wie viele seiner Bücher öffentlich einfach verbrannt wurden, das Kinderbuch „Das fliegende Klassenzimmer“. In der Zeit der Naziherrschaft schreibt trotzdem unter Scheinnamen, wie Berthold Burger oder Melchor Kurtz, zahlreiche weitere Romane und Gedichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt er zudem viele Preise, unteranderem 1959 das Große Bundesverdienstkreuz.

Im Jahr 1974 stirbt Erich Kästner letztlich in München „beinahe vergessen von der Literarturwissenschaft“[4] an Speiseröhrenkrebs.


[1]Siehe Abbildung 1 im Anhang

[2] (Unkelbach, 2006)

[3] (Atrium Verlag + Cecilie Dressler Verlag)

[4] (Suter, 1977)